Wie mit Lieferengpässen und politischer Situation umgehen?
Sitzung des erweiterten Vorstands in Magdeburg
Magdeburg - „Ich weiß, die Kürzungen beim Finanzstabilisierungsgesetz für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)belasten und treffen uns in einer Zeit, in der die Preise auf allen Ebenen explodieren. Ich kann nur sagen: Wir haben unser Ziel, die zeitlich befristete Erhöhung es Krankenkassenrabatts zu verhindern nicht geschafft. Aber wir haben in zahllosen Gesprächen der Politik unsere Situation klargemacht und erreicht, dass der Gesetzgeber nun über eine ganze Reihe von Gesetzesinitiativen nachdenkt, die durchaus Positives für die Apotheken beinhalten. Die Politik hat erkannt, dass bei den Apotheken keine weiteren Einsparungen möglich sind. Darum sollen wir aktuell bei weiteren Gesetzesvorhaben nicht im Fokus stehen. Und das ist gut so. Ein Strukturgesetz könnte große Gefahren für den Berufsstand mit sich bringen“, erklärte Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt. Damit redete er die Lage nicht schön, verdeutlichte jedoch, welchen engen Rahmen das politische Tagesgeschäft in Berlin momentan vorgibt. Anlass für seinen Bericht zur politischen Lage war das turnusmäßige Treffen des erweiterten Vorstands am 13. Dezember 2022 in Magdeburg.
Wie angespannt die Situation in den Apotheken vor Ort gerade ist, machte dann auch die Diskussion deutlich. So nahm neben der Honorarkürzung das Thema der bestehenden Lieferengpässe einen breiten Raum ein. Hier verdeutlichte Arnold, dass die schlechte Verfügbarkeit von Arzneimitteln bei der Politik angekommen sei und man nun nach kurzfristigen Lösungen z.B. durch veränderte Regelungen zu den Rabattverträgen der Krankenkasse suche. Andere Maßnahmen wie eine verstärkte Produktion in Europa werden nicht schnell greifen. „Für die Apotheken hat ein finanzieller Ausgleich für die erhebliche Mehrarbeit zum Management der Lieferengpässe oberste Priorität. Darum ist es jetzt umso wichtiger, die Politik in die Apotheken vor Ort zu holen und ganz konkret aufzuzeigen, welchen Aufwand wir gerade betreiben müssen, um die Patienten zu versorgen.“
Weiter führte er aus: „Wir sind gut beraten, jetzt einen politischen Forderungskatalog zu erstellen, mit dem wir gegenüber der Politik einheitlich argumentieren können. Für akute Probleme wie das Lieferengpass-Management, die überbordende Bürokratie und die Verstetigung der SARS-COV-2 Regelungen müssen wir pragmatische Lösungen suchen.“ Gerade in dieser schwierigen Situation dürfen wir den Berufsnachwuchs nicht aus den Augen verlieren. Neben der Forderung nach mehr Pharmaziestudienplätzen müssen wir aktiv auf die Schul- bzw. Universitätsabgänger zugehen und für einen Beruf in der Apotheke werben.
Außerdem warb Arnold noch einmal für die Stammtische zu Beginn des neuen Jahres. Auch wenn die Personalsituation in den Apotheken wenig Raum für Aktivitäten außerhalb zulasse, so seien die Stammtische doch gut geeignet, um die politische Situation intensiver zu erläutern und in den persönlichen Kontakt zu treten.