Pflanzliche Arzneimittel weder über- noch unterschätzen

Berlin/Meran– Die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel sollte weder über- noch unterschätzt werden. Das gelte besonders bei Phytopharmaka gegen Stoffwechselerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Gicht. „Der Markt ist recht unübersichtlich. Denn neben zugelassenen Arzneimitteln gibt es Nahrungsergänzungsmittel, die keine medizinischen Wirkungen haben. Apothekerinnen und Apotheker können Patienten informieren und beraten,“ sagte Prof. Dr. Robert Fürst, der Pharmazeutische Biologie an der Universität Frankfurt lehrt. Der Apotheker referierte beim pharmacon, einem wissenschaftlichen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer, unter anderem über die drei Arzneipflanzen Indische Flohsamenschalen, Knoblauch und Zimt.

Indische Flohsamenschalen enthalten viele Ballaststoffe und können erhöhte Cholesterinwerte senken. Werden pro Tag bis zu 20 Gramm eingenommen, kann der Cholesterinwert langfristig um 4 bis 5 Prozent sinken. Fürst: „Verglichen mit synthetischen Arzneimitteln wie Statinen ist das ein kleiner Effekt. Indische Flohsamenschalen sind aber zusammen mit Lebensstiländerungen als erster Schritt sinnvoll, um erhöhte Cholesterinwerte zu behandeln.“ Bei Flohsamenschalen ist es wichtig, viel zu trinken. Um ein Verklumpen zu verhindern, müssen 20 Gramm Flohsamenschalen mit drei großen Gläsern Wasser eingenommen werden.

Auch traditionell zugelassene Arzneimittel mit Knoblauch werden genutzt, um Cholesterinwerte zu senken. Fürst: „Ein bisschen Knoblauch als Gewürz hat keinen Effekt. Knoblauch wirkt nur, wenn große Mengen – mindestens 0,9 Gramm Knoblauchpulver oder entsprechende Extraktmengen – über mehrere Wochen täglich eingenommen werden.“

Arzneimittel mit Zimt sind traditionell zugelassen gegen Magen-Darm-Beschwerden. „Es gibt Hinweise, dass Zimtextrakte auch gegen Diabetes Typ 2 helfen könnten. Wir wissen aus den bisherigen Studien noch zu wenig, um die Wirksamkeit von Zimtextrakten zuverlässig einschätzen zu können. Hier besteht noch dringender Forschungsbedarf“, sagte Fürst.

Weitere Informationen unter www.abda.de

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