Lokale Apotheken kurzfristig sichern und langfristig tragfähige Strukturen der Versorgung schaffen

CDU-Bundestagsabgeordneter Tino Sorge diskutiert mit Apothekern

Tino Sorge im Gespräch mit Apothekern Quelle: K. Pohl/LAV

Wir benötigen jetzt ein System für die sichere Arzneimittelversorgung, um langfristig zukunftsfähige Strukturen zu finden. Dabei darf die wohnortnahe Lösung mit der Apotheke-vor-Ort nicht unter die Räder kommen. Mit diesen Worten begann der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge am Dienstagabend, 28.02.2017, eine Diskussionsrunde in einem Magdeburger Hotel. Im Mittelpunkt der 90minütigen Veranstaltung stand das Thema: „Wohnortnahe Arzneimittelversorgung – Auswirkungen des EuGH-Urteils zum Versandhandel“.

Als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages sprach sich Tino Sorge vor rund 50 Apothekern für das geplante Versandhandelsverbot von rezeptpflichtigen Arzneimitteln aus. Gerade weil Arzneimittel keine gewöhnlichen Handelswaren sind, unterliegen sie ganz bewusst speziellen Vorgaben und Richtlinien. Sorge: „Der Kampf mit gleichen Waffen ist allerdings durch das europäische Gerichtsurteil (EuGH) vom Herbst vergangenen Jahres momentan ausgehebelt. Die solidarische Versicherungsgemeinschaft darf jedoch nicht durch bonitätsgetriebene Anreize unterwandert werden.“ Das Urteil erlaubt einer ausländischen Versandapotheke, Patienten-Boni auf rezeptpflichtige Arzneimittel zu gewähren. Dagegen sind in Deutschland ansässige Apotheken, egal ob Versand- oder Vor-Ort-Apotheken, weiterhin an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden. Veränderungen des gesetzlich festgelegten Preises sind verboten. Welche Auswirkungen das Urteil für Apotheken und Patienten hat, diskutierten der Bundestagsabgeordnete Tino Sorge und Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes, mit den anwesenden Apothekern.

Gute Leistung, Beratung und Betreuung kosten Geld. Die Apotheker konnten sehr deutlich machen, wo die Defizite im Versandhandel liegen und warum nur die Apotheke vor Ort die Arzneimittelversorgung an 365 Tagen und 24 Stunden am Tag sichern kann. „In Punkto Schnelligkeit und Lieferbarkeit eines Arzneimittels haben die gegenwärtigen Strukturen eine Effizienz entwickelt, die es ermöglicht, dass innerhalb weniger Stunden jedes Medikament zur Verfügung steht. Damit kann kein Versender mithalten. Und in Fragen Wechselwirkung und persönlicher Betreuung auch nicht“, unterstrich Mathias Arnold.

Eindeutiger Tenor des Abends: Die hohen Sicherheitsstandards in den Apotheken dürfen nicht aufgeweicht werden, ansonsten bleiben nur Verlierer übrig. Besonders betroffen sind die Patienten, die sich nicht mehr auf eine sichere Arzneimittelversorgung verlassen können. Denn das heute vorherrschende tägliche Prüfen der Arzneien in jeder Apotheke würde damit auch entfallen.

Und etwas polemisch gesagt: Wer einen unregulierten Markt möchte, muss sich damit anfreunden, dass die Preise für stark nachgefragte Waren und Leistungen auch steigen werden. Soll heißen, wenn jemand im Notdienst ein Antibiotikum benötigt, dem könnte bald ein saftiger Aufpreis am Notdienstschalter drohen. Auch das bedeutet dann Markt in aller Konsequenz.

Die CDU hat das Problem erkannt und mit einem Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium eine Lösung präsentiert, die das gegenwärtige System sichern und stabilisieren soll. Der Entwurf scheitert momentan noch am Widerstand der SPD. Darum empfahl Tino Sorge, alles zu tun, um mit den Politikern aller Parteien zu diskutieren. Jeder muss die dramatische Situation erkennen. „Erst wenn wirklich jeder Politiker das Problem wahrgenommen hat, wird es tragfähige Lösungen geben.“ Und Arnold fügte an: „Wir müssen die Politik immer wieder von unserer qualitativ hochwertigen Arbeit überzeugen. Darin dürfen wir nicht lockerlassen.“ (kp)

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