Gebot der Stunde: Apotheken stärken und nicht weiter schwächen
Eisleben - „Wir wollen so viel an die Technik abgeben, was wir können. So bleibt uns mehr Zeit für unsere Patientinnen und Patienten, um diese ausführlich und umfassend zu beraten.“ Das erklärte Apothekerin Sonja Willert, Inhaberin der Mohren-Apotheke Eisleben dem Bundestagsabgeordneten Ingo Bodtke (FDP), als sich dieser den vollautomatischen Arzneimittel-Kommissionierer anschaute.
Ingo Bodtke hatte auf Einladung der Apothekerin einen Vor-Ort-Termin wahrgenommen und war erstaunt, was sich alles hinter den Kulissen einer Apotheke abspielt. „Diese immense Vielfalt hätte ich nicht erwartet. Was alles zu bewerkstelligen ist, bevor ein Arzneimittel übergeben werden kann, ist schon erstaunlich. Und erst der Aufwand, um bei Lieferengpässen die Menschen schnell und sicher zu versorgen, ist bemerkenswert“, zeigte er sich beeindruckt.
Wenig beeindruckt ist dagegen Sonja Willert von den Ideen des Bundesgesundheitsministers. „Es ist unglaublich, dass ein Mediziner und Professor die Apotheken so beschneiden will. Dabei ist das Gebot der Stunde, die Apotheken zu stärken und nicht weiter zu schwächen“, erklärte sie dem Abgeordneten. Hintergrund dieser Äußerung ist der Referentenentwurf zum Apotheken-Reformgesetz, der zum Beispiel Apotheken ohne Apotheker vorsieht.
Sie wandte sich deshalb an den FDP-Abgeordneten, um ihn darin zu bestärken, am Veto zum Referentenentwurf festzuhalten. Momentan bremst die FDP das Reformvorhaben aus. „Bitte bleiben Sie bei dieser Haltung. Denn das Gesetz schwächt uns mehr, als das es die Apotheken sichert. Der Bundesgesundheitsminister plant lediglich eine Umverteilung der Apothekeneinnahmen. Was wir aber brauchen ist im ersten Schritt dringend eine Erhöhung unserer Einnahmen, um überhaupt wieder wirtschaftlich arbeiten zu können.“
Diese Aussagen untermauerte Thomas Rößler, stellvertretender Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt. „Die wirtschaftlichen Probleme aller Apotheken nehmen massiv zu. Jede dritte Einrichtung ist derzeit von der Insolvenz bedroht. Darum brauchen wir umgehend einen Inflationsausgleich, der die gestiegenen Kosten der letzten Jahre auffängt.“
Elke Wagner, die die Hirten-Apotheke in Schafstädt betreibt und auch am Gespräch teilnahm, ging sogar noch weiter. „Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich die hochpreisigen Arzneimittel vorfinanzieren soll. Diese werden auch in kleineren, ländlichen Apotheken immer mehr. Doch die Kosten laufen dabei völlig aus dem Ruder.“
Ingo Bodtke nahm die vielen Informationen auf und versprach, diese an seinen für Gesundheitsfragen zuständigen Kollegen zu geben. „Ich habe heute festgestellt, dass das große Leistungsspektrum einer Apotheke viel zu wenig in der Politik bekannt ist. Deshalb wird das wohl nicht das letzte politische Gespräch hier in der Apotheke gewesen sein. Wir müssen deutlich mehr aufklären, was eine Apotheke für ihre Patientinnen und Patienten leistet und welche Lücke in der Arzneimittelversorgung entstehen würden, wenn wir nicht mehr vor Ort wären“, resümiert Sonja Willert.
Foto: Sonja Willert im Gespräch mit MdB Ingo Bodtke und Thomas Rößler vom LAV (l.) (Quelle: K. Pohl/LAV)
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