Frühlingsfest nimmt Personalmangel und Bürokratiethemen ins Visier

Am 16. Mai 2022 luden Apothekerkammer und LAV, nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause, wieder zum persönlichen Austausch. Das Frühlingsfest der beiden Apothekerorganisationen findet traditionell beim Mückenwirt in Magdeburg statt.

In gewohnt lockerer Atmosphäre besteht die Möglichkeit, sich mit Vertretern u.a. aus Politik, Ministerien, Ärzteschaft, Universität, Krankenkassen, Pharmaindustrie und Großhandel auszutauschen. Und diese Gelegenheit wurde von vielen Gästen gern wahrgenommen.

Kammerpräsident Dr. Münch verwies in seinem Statement darauf, dass uns das Leben in der Pandemie viel abverlangt hat. Während der Pandemie haben die Apotheker ihre große Einsatzbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Unverzichtbarkeit einmal mehr unter Beweis gestellt.

Für die Zukunft sollen neue Dienstleistungen in den Apotheken Einzug halten. So wollen sich die Apotheker deutlich mehr für die Arzneimitteltherapiesicherheit einsetzen, betont der Präsident. Doch dafür braucht es unbedingt mehr Personal in den Apotheken. „Eine unserer größten Ausbildungsstätten für Pharmazeuten in Halle gerät jedoch aktuell durch Sparmaßnahmen in eine personelle Schieflage. Es gibt sehr große Probleme, den Nachwuchs bei wissenschaftlichen Assistenten nachzubesetzen und Praktika abzusichern. Die vergangenen zwei Jahre haben erneut bewiesen, dass der Beruf des Apothekers systemrelevant ist und bereits jetzt massiv unter Nachwuchsmangel leidet. So nachvollziehbar einerseits die erforderlichen Sparbemühungen der Universität sind, so unverständlich ist, dass durch damit verbundene Personalentscheidungen ausgerechnet die Ausbildung des dringend benötigten Nachwuchses für einen systemrelevanten Gesundheitsberuf gefährdet wird“, beklagt er.

Und fügt an: „Auch zukünftig werden wir mit dem Virus leben müssen. Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit werden weiter notwendig sein, wofür aber inzwischen mehr Optionen zur Verfügung stehen. Aber auch unter Coronagesichtspunkten sei es ganz wichtig, die psychische Gesundheit und soziale Aspekte nicht außen vor zu lassen. Deswegen bin ich erfreut, dass persönliche Gespräche und Treffen nun wieder möglich sind. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen den Kontakt und nicht das stille Kämmerlein im Home-Office. Sicherlich ist es mal ganz angenehm, von zu Hause aus zu arbeiten. Aber es kann keinesfalls eine Dauerlösung sein.“ 

Mathias Arnold beschäftigt sich dann mit den Herausforderungen und Aufgaben der Zukunft. Einerseits zwingen die Defizite in der GKV zu Einsparungen andererseits sind die Apotheken - wie alle Bürger und Unternehmen - mit steigenden Kosten konfrontiert. Es geht also darum klug zu sparen. Ein Beispiel sei der Abbau unsinniger Bürokratie. Dazu verweist er in seiner Begrüßungsrede auf den aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Das Papier trägt den Namen: „Mehr  Fortschritt wagen“. Eine zentrale Botschaft darin lautet Bürokratieabbau.

Konkret steht dort geschrieben: „Überflüssige Bürokratie werden wir abbauen.“ Bezogen auf das Gesundheitssystem seien das SGB V und weitere Normen hinsichtlich durch technischen Fortschritt überholter Dokumentationspflichten zu überprüfen. Durch ein Bürokratie-Abbaupaket sollen Hürden für eine gute Patientenversorgung abgebaut werden. Das Wort Bürokratie kommt im Koalitionsvertrag auf 26 Nennungen. Und dies immer mit dem Ziel diese abzubauen, rechnet Mathias Arnold vor. Es sei nun an der Zeit zu handeln.

Am plastischen Beispiel verdeutlicht der LAV-Vorsitzende die praktischen Auswirkungen überbordender Bürokratie im Alltag einer Apotheke. So muss eine Apotheke, um einen einfachen Nissen- bzw. Läusekamm zu Lasten der GKV an Patienten abzugeben, ein Präqualifizierungsverfahren durchlaufen, sich regelmäßig Re-Präqualifizieren und zusätzliche Audits absolvieren. Anhand eines Präqualifizierungsantrages zeigt der LAV-Vorsitzende auf, welche Unterlagen eingebracht werden müssen und welchen Aufwand dies für eine Apotheke bedeutet. So wird deutlich, wie wichtig das Thema Bürokratieabbau in der heutigen Zeit ist. Denn allein durch eine Ausnahmeregelung, die Apotheken von der Präqualifizierung bei einfachen Hilfsmitteln freistellt, könnten erhebliche Kosteneinsparungen erreicht und viel Frustration bei allen Beteiligten vermieden werden. Vor allem aber bliebe mehr Zeit für die Kernaufgabe - nämlich die Versorgung der Patienten.

Von den anwesenden Politikern fordert Mathias Arnold dann Unterstützung für das E-Rezept. „Wir sind alle an die Gematik angeschlossen. Aber unsere Softwarehäuser sind nicht soweit. In der Abrechnung  haben wir noch das Problem, dass ein Rezept, das eine Arztpraxis verlässt, mit anderen Augen kontrolliert wird als beim Eingang bei der Krankenkasse. Die Lösung wäre eine einheitliche „Kontrollbrille“, der Referenzvalidator. Die Gematik wird ihn jedoch erst im Dezember fertigstellen. 

Das E-Rezept soll aber zwingend schon am 1. September eingeführt werden. Was in den drei Monaten passiert, in denen  Rezepte die  Arztpraxis verlassen, die  von den Krankenkassen möglicherweise nicht angenommen werden, ist bisher ungeklärt. „Die Situation: Dann habe ich einen Scheck, der scheinbar korrekt ausgestellt ist, der  aber von der Bank nicht angenommen wird. Das finde ich als Apotheke gar nicht lustig.“ So sorgte Mathias Arnold bei den Gästen für rege Diskussionsgrundlagen und viele interessante Gespräche.

Pressekontakt:
Katrin Pohl
Tel.: 0391 - 8 111 222
E-Mail: info(at)katrin-pohl.de

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