Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung funktioniert: Apotheken sind in der Krise Stütze der Versorgung

„Die Lage ist angespannt und die Gefahr noch nicht gebannt. Wir müssen weiter alles dafür tun, das System der flächendeckenden Versorgung aufrecht zu erhalten. Jetzt können wir deutlich zeigen, was unsere Apotheken alles leisten. Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Und wir sind immer noch leistungsstark inmitten der Krise.“ Mit diesen Worten fasste Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt e.V. (LAV), die momentane Situation zusammen. Anlass war die Mitgliederversammlung des LAV am 3. September 2020 in Magdeburg.  Und er ergänzte: „Das Gesundheitssystem hat sich in der Krise bewährt. Die Freiberuflichkeit und die Selbstverwaltung funktionieren. Wir haben Leistungsfähigkeit bewiesen. 99,8 Prozent unserer Apotheken waren die ganze Zeit geöffnet und wir konnten unsere Patienten auf hohem Niveau versorgen.“

Arnold stellte die Frage, was unbedingt nach der Corona-Pandemie erhalten bleiben muss. Da wären einerseits die pragmatischen Regelungen beim Umgang mit  Rabattverträgen. Die Apotheken haben bewiesen, dass sie mit dem Austausch verantwortungsvoll umgehen können. Die Erleichterungen  hätten enorme Wirkung gezeigt, indem es deutlich weniger Zweitbesuche in der Apotheke gab bzw. der sich aus Lieferengpässen folgende Botendienst reduzierte. Arzneimittel mit den erforderlichen Wirkstoffen sind in der Apotheke häufig mehrmals vorhanden. Manchmal fehlt eben nur gerade das rabattierte Medikament. Daraus folgten dann zusätzliche Botendienste. Der Botendienst bleibt jedoch weiterhin eine wichtige Säule in der Versorgung der Patienten, der zusätzlich vergütet werden muss, da Apotheken-Personal dafür gebunden ist.

 

Arnold führte in seiner Rede zu den Mitgliedern zahlreiche Baustellen auf, die die Apotheken belasten und die einer gesetzlichen Korrektur bzw. Regelung bedürfen. Um diese Problematik wisse er nur zu deutlich. In seinem umfassendem Überblick über die politischen und gesetzgeberischen Geschehnisse der letzten  1 ½ Jahre wies er darauf hin, dass das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG) mit der Schaffung der weitgehenden Gleichpreisigkeit für in- und ausländische Apotheken sowie die Implementierung und Vergütung von pharmazeutischen Dienstleistungen noch in diesem Jahr  verabschiedet werden muss. Sonst drohe die Gefahr, dass diese Themen im Wahlkampfjahr 2021 untergehen und der Diskontinuität unterfallen, d.h. wegen des Endes der Wahlperiode gar nicht mehr behandelt werden. Im neugewählten Bundestag mit einer noch völlig unbekannten neuen Regierungszusammensetzung müssten diese Themen wieder neu diskutiert werden. Insofern warnte er die Apothekerschaft davor, die Inhalte des jetzt im Bundestag befindlichen VOASG zu „zerreden“ und damit Uneinigkeit innerhalb der Apothekerschaft zu dokumentieren. Arnold: „Wir haben gerade wieder „viele Bälle in der Luft“. Dabei ist es wichtig zu priorisieren und sich auf die  wesentlichen Themen zu  konzentrieren und diese einer Lösung zuführen. Damit ist uns Apothekern mehr geholfen, als wenn letztendlich Randthemen die Diskussion bestimmen und Wesentliches nicht gelöst wird.“ Der jetzt vorliegende Gesetzgebungsprozess solle daher diskussionstechnisch nicht weiter in die Länge gezogen werden. Das hätte schlimmstenfalls zur Folge, dass auch 2021 noch keine Regelung für eine weitgehende Preisgleichheit gefunden wird.

Die Mitgliederversammlung schloss mit der Entlastung des Vorstandes und mit der Ernennung von Gert Fiedler zum Ehrenmitglied des LAV.

Zurück