30. Wirtschaftstage in Dessau
Dessau - Das wirtschaftliche Spielfeld bleibt für die Apotheken herausfordernd. Der sich zuspitzende demografische Wandel, der Fachkräftemangel, eine steigende Krankheitslast und wachsende Kosten im Gesundheitswesen erhöhen den Druck auf die Arzneimittelversorgung zusehends. „Gleichzeitig bleibt unser Anspruch an eine flächendeckende, sichere und jederzeit verfügbare Arzneimittelversorgung bestehen. Die wohnortnahe Apotheke verbindet die Bereitstellung von Arzneimitteln mit fachlicher und persönlicher Beratung. Wir sind in erster Linie Heilberufler“, warb Mathias Arnold erneut für seine Profession.
In seinem Eröffnungsreferat auf den 30. Wirtschaftstagen in Dessau verdeutlichte er, dass die Immerverfügbarkeit von Arzneimitteln nicht allein nach marktwirtschaftlichen Kriterien zu organisieren sei. „Apotheken tragen als Einzelhandelsunternehmen erhebliche wirtschaftliche Risiken, müssen zugleich aber Leistungen und Strukturen vorhalten, die gesellschaftlich notwendig, wirtschaftlich jedoch nicht immer rentabel sind.“ Als Beispiel brachte der Apotheker die Vorhaltung selten benötigter Notfallmedikamente an. Ähnlich wie bei der Feuerwehr muss eine Leistung auch dann zuverlässig verfügbar sein, wenn sie nur selten in Anspruch genommen wird. Deshalb sind eine angemessene und differenzierte Vergütung sowie eine intelligente Regulierung erforderlich, um die sichere Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern. Die dafür notwendige Infrastruktur muss von Krankenkassen, Staat und Gesellschaft mitgetragen werden. Das kann nicht nur auf den Schultern der Apotheken lasten. Neue pharmazeutische Dienstleistungen können als Präventionsangebote das Spektrum in den Offizien sinnvoll ergänzen, die grundlegende Finanzierung der Apotheken jedoch nicht ersetzen.
Um die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen, muss das Gesundheitssystem daher effizienter organisiert werden. Die knappe Ressource Arbeitskraft darf nicht durch unnötige Bürokratie oder ineffiziente Strukturen gebunden werden. Eine bessere Arbeitsteilung, die stärkere Integration der Apotheken in die Primärversorgung und eine sektorübergreifende Zusammenarbeit können vorhandene Ressourcen besser nutzen und zugleich die Attraktivität der Gesundheitsberufe stärken. „Unser Augenmerk liegt auf der leistungsfähigen, verlässlichen und flächendeckenden Arzneimittelversorgung – auch unter den sich verändernden demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dafür müssen wir uns weiter auf allen Ebenen einsetzen“, forderte Mathias Arnold dazu auf, die Leistungen der Apotheken gegenüber der Politik immer wieder deutlich zu machen. Wenn nötig, mit den bewährten Apothekenpraktika für Politiker, um die umfangreiche Arbeit vor und hinter den Kulissen einer Apotheke zu zeigen.
Michael Jung gab im Anschluss aus seinem ABDA-Rechtsressort einen informativen Überblick darüber, wie europäische Gesetzgebung auf deutsche Gesetzesvorhaben wirkt. Einen interessanten Vortrag über aktuelle Machenschaften von Cyberkriminellen lieferte Vincent Kums vom Landeskriminalamt. Laut seiner Aussage finden fast alle Betrugsdelikte im Internet statt. Per Mail oder WhatsApp-Nachricht werden Daten abgefangen beziehungsweise man wird dazu gedrängt, Daten einzugeben und Zugänge preiszugeben. Das Ganze erkennt man häufig daran, dass dies unter zeitlichem Druck erfolgt. Bei Aufforderungen, auf einen Link zu klicken, der von einem vermeintlich bekannten Partner in einer Mail stammt, sollte man immer skeptisch bleiben. Lieber sollte man den Zugang über bekannte Webseiten nutzen, um in keine Falle zu tappen. Sein sehr deutlicher Hinweis: Immer mit gesundem Menschenverstand und einer Portion Skepsis dem Internet begegnen.
Weitere Impulse lieferten Beiträge über Mediensucht, zur Apothekennachfolge, zum Biologika-Austausch sowie praxisnahe Informationen aus der Geschäftsstelle zu aktuellen Entwicklungen im Arzneimittel- und Hilfsmittelrecht.
Am 11. und 12. September 2026 kamen rund 60 Apothekeninhaberinnen und -inhaber in Dessau zusammen, um über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Branche zu diskutieren. Der erste Veranstaltungstag klang mit einer Stadtführung und einem gemeinsamen Abendessen aus, sodass genügend Raum für das Miteinander blieb.
Im Rückblick waren es wieder zwei informative, gut organisierte und durch intensiven Austausch geprägte Wirtschaftstage.