29. Wirtschaftstage: Intensiver Einsatz für die Erhöhung des Fixums gefordert
Merseburg - Eine zentrale Voraussetzung für das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern in die Politik ist Glaubwürdigkeit. Und genau diese leidet, wenn Maßnahmen, die im Koalitionsvertrag als Teil eines Sofortprogramms definiert wurden, nun auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden. In diesem Sinn erschüttert auch die Aussage der Bundesgesundheitsministerin auf dem Deutschen Apothekertag, dass die Erhöhung des Fixums „auf Wiedervorlage“ gelegt werde, das Vertrauen der Apotheken in die Politik.
Mit dieser Kernbotschaft eröffnete der LAV-Vorsitzende Mathias Arnold am 26. September 2025 die 29. Wirtschaftstage in Merseburg. Dabei richtete er den Blick bereits auf die bevorstehenden Landtagswahlen am 6. September 2026. „Ein ganz zentrales Kriterium für politische Entscheidungen lässt sich mit dem Wort Glaubwürdigkeit zusammenfassen. Und genau die muss uns die Politik jetzt unter Beweis stellen. Der angekündigte 'Herbst der Reformen' könnte – und sollte – auch ein Herbst der Apothekenreform werden. Das bedeutet für uns, dass wir intensiv daran arbeiten müssen, diesen Herbst zu unserem Erfolg zu machen. Denn die Vorzeichen sind alles andere als vielversprechend.“
In seiner Analyse der aktuellen politischen Lage machte Arnold deutlich, dass weiterhin das Engagement aller Apothekeninhaber gefragt ist: „Wir müssen jedem Politiker – auf Landes-, Stadt- und Gemeindeebene – klarmachen, dass uns eine Erhöhung des Fixums versprochen wurde und wir diese dringend und unverzüglich benötigen. Jede weitere Verzögerung wird unweigerlich zu weiteren Apothekenschließungen führen.“ Die offensichtlich geplante Honorarreform mit Verhandlungen zwischen GKV und DAV wird letztendlich nicht vor dem Jahr 2028 wirksam werden können. „Das ist eindeutig zu spät. Wir benötigen eine schnelle Hilfe. Die Politik hat uns dieses „Sofortprogramm“ mit einer Erhöhung des Fixums auf 9,50 € versprochen – und daran müssen wir sie konsequent erinnern.“ Eine Kopplung der Honorierung der Apotheken mit der Finanzlage der GKV bedeutet Gesundheitspolitik nach Kassenlage. Dies stellt eine Gefahr für unser Gesundheitssystem dar und kann nicht im Sinne der Patientinnen und Patienten sein.
Bereits heute arbeiten laut Wirtschaftsdaten rund zehn Prozent der Apotheken defizitär. Viele Betriebe halten sich nur noch durch persönliche Selbstausbeutung über Wasser – ein Zustand, den Claudia Korf, Geschäftsführerin Ökonomie der ABDA, in ihrem Vortrag deutlich kritisierte. Neben wirtschaftspolitischen Themen standen auch zwei Vorträge über den Einsatz künstlicher Intelligenz im Apothekenalltag auf dem Programm, die sich sowohl mit den Chancen als auch den Risiken dieser neuen Technologien auseinandersetzten. Weitere Impulse lieferten Beiträge zur Mitarbeitermotivation sowie praxisnahe Informationen aus der Geschäftsstelle zu aktuellen Entwicklungen im Arzneimittel- und Hilfsmittelrecht.
Am 26. und 27. September 2025 kamen rund 60 Apothekeninhaberinnen und -inhaber in Merseburg zusammen, um über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Branche zu diskutieren. Der erste Veranstaltungstag klang mit einem Ausflug in die „Unterwelt“ von Merseburg aus: Eine unterhaltsame Führung durch die historischen Bierkeller der Stadt bot einen gelungenen Auftakt zum Abendprogramm und Raum für persönliche Gespräche.
Im Rückblick waren es wieder zwei informative, gut organisierte und durch intensiven Austausch geprägte Wirtschaftstage.
Fotos: Katrin Pohl/LAV