28. Wirtschaftstage: Das System Apotheke ist strukturell unterfinanziert
Merseburg - „Der derzeitige Therapieansatz aus dem Bundesgesundheitsministerium, der angeblich die Situation der Apotheken verbessern soll, ist falsch und gefährlich. Denn er stützt nicht die wohnortnahe Versorgung durch die Apotheken, sondern eher den Fernversand. Doch etwas Positives gibt es zu berichten: In den zahlreich geführten Gesprächen mit politischen Vertretern in den Städten und Gemeinden, ja selbst mit dem Land einschließlich unseres Ministerpräsidenten, konnten wir entnehmen, dass wirklich niemand die Apotheke ohne Apotheker möchte. Lediglich das Bundesgesundheitsministerium hält bisher noch daran fest.“ Mit diesen Worten beschrieb Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt e.V., die derzeitige Situation zur Eröffnung der 28. Wirtschaftstage. In Merseburg trafen sich am 27. und 28. September 2024 rund 60 Apothekeninhaber des Landes, um über aktuelle Entwicklungen in der Apothekenlandschaft zu diskutieren.
„Unsere Botschaften sind einfach wie klar und mittlerweile durchweg in der Politik angekommen: Das System Apotheke ist strukturell unterfinanziert. Unsere Leistungen müssen daher dringend besser honoriert werden“, forderte Arnold. Und ergänzte: „Noch sind wir da, genauso wie der Strom aus der Steckdose. Doch die Apotheken schließen in einem immer schnelleren Tempo. Das betrifft dann auch unsere Patienten, die einen vertrauten und wohnortnahen Zugang zum Gesundheitssystem verlieren und immer weitere Wege in Kauf nehmen müssen. Es braucht darum mehr Geld im System, um diese Negativentwicklung schnell aufzuhalten.“
Auf der kurzfristig ins Programm aufgenommenen Podiumsdiskussion mit den Landtagspolitikern von SPD, CDU und FDP wurden diese Aussagen deutlich verstärkt. Danach äußerte Dr. Heide Richter-Airijoki von der SPD, dass sie nicht mehr damit rechne, dass es der Referentenentwurf ins Bundeskabinett schafft. Allerdings blieb sie Aussagen zur besseren Finanzierung der Apotheken schuldig. Tobias Krull (CDU) sowie Konstantin Pott (FDP), beide Mitglieder im Gesundheitsausschuss des Landtages, waren da konkreter. Sie besuchten bereits vorab Apotheken und waren mit der desaströsen finanziellen Ausstattung bestens vertraut und sprachen sich für eine Erhöhung der Honorierung für Apotheken aus.
Heute haben Apotheken keine Effizienzreserven mehr. Das führte Eckart Bauer, ABDA-Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales, in seinem Vortrag aus. Die Betriebsergebnisse befinden sich auf dem Niveau von 2019. Bei den weiter steigenden Kosten laufe somit jede zehnte Apotheke defizitär. Darum müssen alle weiter erklären und aufklären, wie misslich die Lage ist. Eine dringende Erhöhung des Fixums müsse nun endlich erfolgen.
Etwas Hoffnung, was den aggressiven Werbeauftritt des ausländischen Versandhandels demnächst einschränken könne, gab Elmar Mand. So nannte der Honorarprofessor der Universität Marburg zahlreiche neue Urteile des Europäischen Gerichtshofs, die Arzneimittel nun wieder als besondere Ware kennzeichneten. Dem Versandhandel könnten demnächst einige Fesseln hinsichtlich des Heilmittelwerberechts angelegt werden.
Keine gute Idee fand er, dass die Apotheken künftig direkt mit den Krankenkassen über ihr Honorar verhandeln sollen. Das führe dann aus seiner Erfahrung heraus zu jahrelangen Schieds- und Klageverfahren. Erfolgversprechender sei es daher, von der Politik die Anpassung der Vergütung einzufordern.
Auf den Wirtschaftstagen stellte GEDISA-Geschäftsführer Sören Friedrich die umfangreichen neuen Dienstleistungen der apothekeneigenen Gesellschaft vor. Und die immer wieder sehr informativen und ausführlichen Darstellungen aus dem Bereich der Arznei- und Hilfsmittel der LAV-Geschäftsstelle wurden erneut sehr dankbar aufgenommen. Die Aussagen zu möglichen Retaxationen verursachen regelmäßig aufs Neue Unverständnis. Darum bleibt es wichtig, dass sich die Apothekeninhaber mit der Vorgehensweise der Krankenkassen bei den Retaxationen vertraut machen.
Im Ergebnis gingen erneut sehr informative und durch regen Austausch geprägte Wirtschaftstage zu Ende. Der abendliche Ausflug in die historische Altstadt von Merseburg samt seinen Zaubersprüchen und einer beeindruckenden Kostprobe der Domorgel waren ein Erlebnis.
Fotos: Quelle Katrin Pohl/LAV
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